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| Herzlich willkommen beim Stamm-Kneipp-Verein e.V. Bad Wörishofen | |
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"Es ist erforderlich
einen Verein zu gründen, der sich über Pflege und Verbreitung der Heilmethode annimmt" Sebastian Kneipp Am 2.Mai 1855 zog Sebastian Kneipp in
das Dominikanerinnenkloster |
| Das
Kursprogramm 2012
des Stamm-Kneipp-Vereins können Sie auf unserer
Homepage einsehen! Lesen Sie bitte Näheres unter der Rubrik "Kurse"! Nähere INFOS zum Kneippianer-Stammtisch (jeden 1. Freitag im Monat ab 20.00 Uhr im Kurhotel Luitpold) gibt es bei: Herrn Pilz, Telefon: 08247/334173 oder in der Geschäftsstelle des Stamm-Kneipp-Vereins Adolf-Scholz-Allee 6, Telefon 08247/34473 (Do. 16-18 Uhr) Email: info@skv-bw.de |
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SEBASTIAN
KNEIPP
- Helfer der Menschheit„Wenn
die Menschen nur halb soviel Sorgfalt darauf verwenden würden,
gesund
zu bleiben und verständig zu leben,
wie
sie heute darauf verwenden, um krank zu werden –
die
Hälfte ihrer Krankheiten blieben ihnen erspart.“
Sebastian
Kneipp Das Leben dieses kantigen, strengen, oft mürrisch dreinblickenden Allgäuer Pfarrers, der seine Berufung darin sah, in selbstlosem Einsatz den Menschen Seelenheil und Gesundheit zu geben, ist geprägt von zahlreichen Schicksalsschlägen. Aber auch beseelt vom katholisch-seelsorgerischen wie psycho-sozialen Wunsch als Priester und Seelsorger der Menschheit dienen und helfen zu können. Liest
man Bücher und Biographien von und über ihn, ist man erstaunt und
gleichzeitig betroffen darüber, wie sein Leben verlief. Erstaunt und
begeistert über seinen unbeirrbaren Weg zur Erreichung des Lebensziels
„Seelsorger“, ergriffen von den zahlreichen Rückschlägen, die ihn
immer wieder trafen, die ihn aber nicht entmutigten, sondern weiter
vorantrieben. Letztendlich aber auch dankbar für sein Vermächtnis, dem
auf fünf Säulen aufgebauten, ganzheitlichen und nach ihm benannten
Naturheilverfahren, das heute aktueller denn je ist. Er war einer der
wenigen, der den Zusammenhang zwischen körperlichen und seelischen
Gebrechen wohl verstanden hatte und darf als Vorreiter einer naturkundlich
geprägten Psychosomatik bezeichnet werden. Am
17. Mai 1821 wurde Sebastian Kneipp – schlicht „Baschtl“ genannt -
als viertes Kind des Hauswebers Xaver Kneipp und seiner Frau Rosina, einem
Kräuterweiblein, in Stephansried bei Ottobeuren geboren. Niemand konnte
ahnen, daß dieses Büblein aus armseligem Hause einst die Welt aufhorchen
läßt, daß der Papst ihn empfangen und auszeichnen und daß er zum Ende
seines Lebens wie ein Fürst begraben werden würde. Denn Not und Elend
herrschten in der Familie Kneipp. Schon als kleiner Bub mußte er zum
Familienunterhalt beitragen. Er hütete das Vieh der örtlichen Bauern
und half dem Vater am Webstuhl. „Ich mußte schon mit sieben
Jahren bis ½ 9 Uhr abends spinnen und mit elf Jahren 5 Ellen Tuch weben.
Damals gewöhnte man die Kinder an die Arbeit!“ In den Webkeller durfte
kein Sonnenstrahl fallen; außerdem mußte er feucht gehalten werden, ein
Abhusten des Staubs vom Keller von seiner Lunge wurde ihm verboten.
Zweifellos keimte hier versteckt die Schwindsucht auf, die dem 25jährigen
fast das Leben gekostet hätte. Diese
dürftige und mühselige, entbehrungsreiche Kindheit prägte ihn
zeitlebens. Auf dem Höhepunkt seiner ruhmvollen Laufbahn erzählte er
immer wieder: „Keiner von Euch allen, die Ihr so vor mir steht, wurde
wohl so schwer geprüft, wie ich geprüft wurde. Von meinem 11. bis zum
21. Jahre, also volle 10 Jahre, habe ich keine einzige Stunde gehabt, in
der mich mein Leben zufriedengestellt hätte...“ Von seiner Mutter, die im Haus ein strenges Regiment führt (worunter der kleine „Baschtl“ sehr litt), erfährt er viel über die wohltätigen Kräuter, deren Verwendung und Heilkräfte. Dabei erlernte er aus dem Verhalten der Natur vieles, das er später zu verwerten wußte. In seinen späterer Jahren studierte er die Wirkung der Heilpflanzen mit einer strengen Beobachtungsgabe und entfernte rigoros jegliche Mystik der Pflanzenheilkunde wie sie mittelalterlichen Quellen wie Hildegard von Bingen anhafteten. Schon
früh, mit etwa zwölf, dreizehn Jahren, wuchs in Kneipp der Wunsch,
Geistlicher zu werden. Von einer inneren Stimme, die ihn fortwährend zum
Priesterdasein aufruft, spricht Kneipp in seinen Erinnerungen. Später,
als Greis, wußte er mit Bestimmtheit, daß all die Beschwernisse seiner
Jugend, die Vorbereitung auf einen Weg waren, den Gott vorbestimmte. Doch
sein Vater, geplagt von Geldsorgen, wollte
von dieser Berufung nichts wissen. „Wollte dich der Herrgott zum
Studenten, dann hätte er uns auch Geld gegeben.“ Der Kummer nagte an
Kneipp, weil er einsehen mußte, daß sein Herzenswunsch kaum in Erfüllung
gehen konnte. Mit 18 Jahren wirkte er so gealtert, daß ihn Fremde für
den Bruder seines Vaters hielten. Doch
Kneipp gab nicht auf. Er suchte Kontakt zu den Pfarrherren in der
Umgebung, wanderte bis Augsburg und München, um seinen Wunsch Priester zu
werden, vorzutragen. Selbst beschließt er, sich das nötige Geld zu
sparen und arbeitet dafür Tag und Nacht. Und
wieder ereilte den damals 20 jährigen ein Schicksalsschlag – das
Elternhaus brennt ab, das angesparte Geld (70 Gulden) geht verloren. Mit
Blick auf dieses fürchterliche Geschehen bekannte Jahrzehnte später der
alte Pfarrer Kneipp: „Ein Gutes hat dieses Unglück gehabt: Seit dieser
Zeit habe ich nie mehr Geld gezählt.“ Kneipps LehrjahreDoch
zum ersten Mal meint es das Schicksal gut mit Kneipp. In einer „urplötzlichen
Eingebung“, wie er selbst berichtete, suchte er 1842 im 15 km entfernten
Grönenbach Kaplan Merkle auf, einen weitläufigen Verwandten seiner
Familie. Dieser Weg nach Grönenbach bedeutet die Wende in seinem Leben.
Kaplan Merkle erkannte sehr schnell die Begabung Kneipps und auch seinen
unumstößlichen Willen, Geistlicher zu werden. Beim
Ortsvorsteher von Grönenbach fand Kneipp Kost und Logis. Dafür mußte
er hart in der Landwirtschaft arbeiten, anschließend büffelte er mit Dr.
Merkle lateinische Vokabeln. Die Hoffnung, das angestrebte Ziel zu
erreichen und sein Glaube gaben ihm die Kraft, täglich 16 Stunden zu
arbeiten und zu lernen. Eineinhalb
Jahre blieb Sebastian Kneipp in Grönenbach, dann folgte er seinem Mentor
und Förderer nach Augsburg, kurze Zeit später nach Dillingen, wo Dr.
Merkle eine Berufung als Professor für Moraltheologie an die dortige
philosophisch-theologische Hochschule erhielt. Zwar scheiterte sein erster
Versuch, am Dillinger Gymnasium aufgenommen zu werden, im November 1844
klappte es. Sebastian Kneipp erhielt die Altersdispens und trat ins
Gymnasium ein. Die meisten seiner Klassenkameraden überragte der kräftige
Kneipp um Haupteslänge; außerdem war er fast doppelt so alt wie seine
Mitschüler. Doch in seinem Lerneifer und seinem Fleiß war Kneipp Vorbild
und schaffte das erste Schuljahr mit hervorragendem Erfolg. Das
Tor zum Ziel seiner Wünsche war damit weit geöffnet – da traf ihn
erneut ein Schicksalsschlag, der seinem Leben um ein Haar ein Ende gesetzt
hätte. 1846, Kneipp war im zweiten Jahr Schüler in Dillingen, schwand
seine Gesundheit. Die Entbehrungen und Anstrengungen seiner Kindheits- und
frühen Jugendjahre machten sich bemerkbar. Was im feuchten Keller
begonnen hatte, wuchs jetzt zur drohenden Gefahr: er litt an
Lungentuberkulose. Heftiger Bluthusten und starke Erschöpfung waren die
Symptome; der betreuende Arzt sah für den Patienten Kneipp kaum Hoffnung.
Sebastian Kneipp war zu schwach, um ständig am Unterricht teilzunehmen. Während
des dritten Schuljahres fehlte er fast die Hälfte der Zeit. Er selbst führte
die Krankheit auf die Umstellung seiner Lebensweise zurück. Das Sitzen über
den Büchern in schlecht geheizten Zimmern, der fast völlige Mangel an
Bewegung und die wenig vitaminreiche Nahrung machte Kneipp für seine Schwäche
verantwortlich. Trotz
des erschreckenden Verfalls schaffte er nach nur vier Jahren Gymnasialzeit
das Abitur mit der Note „Würdig“ und konnte zunächst am Dillinger
Lyzeum, dann an der Münchener Universität das philosophisch-theologische
Stu dium
belegen. Das zweite Semester im Frühjahr 1849 in München brachte dann
die völlige Verzweiflung und Apathie. Nur die Hälfte der Vorlesungen
konnte er besuchen, mehr war wegen der nicht ausgeheilten Tuberkulose
nicht möglich – und oft genug mußte er hungern. Kneipp war am Ende
seiner Kräfte, er hoffe auf ein Wunder. Und
dies trat ein durch das Entdecken eines Büchleins in der Münchner
Universitätsbibliothek: „Unterricht von Krafft und Würckung des
frischen Wassers in die Leiber der Menschen, besonders der Kranken bey
dessen innerlichen und äußerlichen Gebrauche. Aus Vernunftgründen erläutert
und durch die Erfahrung bestättigt von Johann Siegmund Hahn, Medicinae
Doctor und Practicus in Schweidnitz.“ Dieses im Jahre 1743 erschienene
Buch hatte es Kneipp sofort angetan und bezeichnete es als „Morgenstern
in tiefster gesundheitlicher Not.“. Fühlte er sich auch an
Beobachtungen aus seiner Hütezeit erinnert, als er seinerzeit
feststellte, daß kranke Kühe immer wieder kaltes Wasser suchten, um sich
Linderung zu verschaffen. Im
Herbst des gleichen Jahres kehrte Kneipp nach Dillingen zurück, um hier
sein Theologiestudium fortzusetzen. Jetzt war die Zeit gekommen, die
Theorien von Johann Siegmund Hahn in die Praxis umzusetzen. Für ihn galt
es: Krankheit auf den Tod oder Genesung, es ging um seinen letzten und höchsten
Einsatz. Diese Hoffnung muß ihm geblieben sein, will man Verständnis für
die lebensgefährliche, entscheidende Tat des schwerkranken Studenten
aufbringen, die wie Kurzschluß anmutet, in Wirklichkeit aber den unverrückbaren
Grund für sein ganzes Lebens- und Erfolgsgebäude legte. Am 16. November
lief er wie in Trance und mit keuchenden Lungen zur Donau, die sich in
dieser Zeit schon mit einer leichten Eisdecke überzogen hatte, warf
erhitzt, wie er war, die Kleider vom Leibe, tauchte bis an den Hals in das
eiskalte Wasser, zählte bis drei, stieg wieder heraus, zog sich in höchster
Eile an und rannte zurück in seine Studentenbude so schnell er konnte. Das
Ergebnis dieses mehr als mutigen Versuches am eigenen Körper war
erstaunlich: Ein zunächst kaum registrierbares Wohlbefinden regte sich,
als er sich zu Bett legte. Am nächsten Tag glaubte er sich im Ganzen
frischer zu fühlen. Nach drei Tagen wiederholte er das Experiment. Und
wieder empfand er die gleiche, stärkende Wirkung. Kneipp wurde immer
zuversichtlicher und nahm zwei- bis dreimal in der Woche sein Bad von
wenigen Sekunden Dauer in der eiskalten Donau. Ergänzend dazu
verabreichte er sich in der Waschküche selbst Halbbäder und Güsse.
Kneipp wurde immer zuversichtlicher, setzte die anormal scheinende
Therapie fort und fühlte sich immer besser. Eine
unendliche Lust zu Lernen und zu Wirken ließ den Genesenden die nächsten
Stationen seines Studiums wie im Fluge nehmen – und auch das Glück
schien im hold. Im Jahre 1949 erhielt er einen Freiplatz im theologischen
Seminar Georgianum München, der ihn für den Rest des Studiums von
finanziellen Sorgen befreite. Auch hier setzt Kneipp seine
Wasseranwendungen fort – heimlich, denn bestimmt hätte man solche
Radikal-Kuren als lebensgefährlich angesehen und verboten. Doch vor
seinen Kommilitonen ließen sich die Anwendungen nicht verbergen. Auch
wenn er versuchte, die Wirksamkeit zu erklären, so erntete er eher Spott.
Der Spitzname „Dr. Hydrophilos“ begleitete ihn durch seine
Studienzeit. Am Ziel seiner WünscheIm
August 1852 erhält Sebastian Kneipp, inzwischen 31 Jahre alt, das Abschlußzeugnis
des Georgianums und empfängt am 05. August im Augsburger Dom die
Diakonatsweihe, einen Tag später wird er zum Priester geweiht. Am 24.
August findet ein langer, auf ein einziges Ziel ausgerichteter Weg, sein
glückliches Ende: Kneipp feiert im Beisein seines Vaters ( die Mutter
verstarb bereits 1841) in der Ottobeurener
Basilika seine Primitz.
Die
nächsten Jahre seines Wirkens seien kurz aufgezählt: Auf eine drei
Monate währende Berufung als dritter Kaplan in Biberach erfolgte seine
Versetzung nach Boos bei Memmingen, ein Jahr später wurde er dritter
Stadtkaplan in Augsburg. Obwohl Kneipp fest entschlossen war, sich voll
und ganz auf sein seelsorgerisches Amt zu konzentrieren, fiel es ihm oft
schwer, nicht einzugreifen, wenn er zu Kranken gerufen wurde. „... ich
stellte es mir nicht so schwierig vor: zum Krankenbette gerufen zu werden,
die Kranken jammern hören und nicht helfen sollen. So habe ich meine Vorsätze
von Zeit zu Zeit gebrochen.“ Eine an Cholera erkrankte Frau heilte
Kneipp vollständig. Es war unvermeidlich, daß sich die medizinische Betätigung
des „Cholera-Kaplans“, wie Kneipp inzwischen von der Bevölkerung ehrfürchtig
genannt wurde, herumsprach und auf Kritik stieß. Ärzte und Apotheker fühlten
sich durch sein Wirken brüskiert, es wurde Anzeige gegen ihn erstattet.
Kneipp mußte vor Gericht erscheinen und verteidigte sich dort mit dem
Argument, ob man Kranken nicht helfen dürfe, wenn die Ärzte nicht mehr
helfen können oder wollen und der Kranke mittellos ist. Der Fall nahm
eine überraschende Wendung. Der Richter ließ sich von Kneipp Ratschläge
zur Behandlung seines Rheumatismus geben und sprach folgendes Urteil: “
Kurieren Sie die, welche keine Hilfe bekommen oder kein Geld haben, um
Hilfe zu suchen und seien Sie Helfer in der Not.“ Nur
wenige Monate blieb Kneipp in Augsburg. Im April 1855 erhält er die
Versetzung nach Wörishofen als Beichtvater der Dominikanerinnen im
dortigen Kloster. Diese neuerliche Versetzung des knapp 34jährigen
Kaplans Sebastian Kneipp erweckt den Eindruck, als ob der unbequeme
Geistliche, dessen medizinische Anwendungen immer wieder für Probleme
gesorgt haben, in die tiefste Provinz abgeschoben werden sollte. Als
Beichtvater im Kloster wäre er der Öffentlichkeit entzogen. Der damals
kleine Ort Wörishofen lag schließlich weitab und man erhoffte sich
endlich Ruhe vor Kneipp und seinen Wasseranwendungen. Einzug in WörishofenInmitten
einer Phase des Umbruchs trat Sebastian Kneipp am 02. Mai 1855 seine
Aufgabe in Wörishofen an. Er sollte nämlich nicht nur Beichtvater der
Dominikanerinnen sein, sondern mußte sich auch mit sehr weltlichen
Aufgaben befassen, denn zunächst galt es, der wirtschaftlichen Seite des
Klosters – die über 50 Jahre (bedingt durch die Säkularisation)
vernachlässigt wurde – wieder neuen
Schwung zu verschaffen. Kneipp – als wirtschaftlicher Leiter - konnte
dabei seine bäuerlichen Erfahrungen aus der Kindheit und Jugend mit
einbringen. Von
den 42 Jahren, die er in Wörishofen wirkte, widmete sich Kneipp 26 Jahre
dem Auftrag des Bischofs und baute die klösterliche Landwirtschaft zu
einem Musterbetrieb auf: Er ließ Entwässerungsgräben für die feuchten
Wiesen anlegen, steigerte die Erträge der Böden durch neues Saatgut und
Düngemittel, führte neue Kleesorten ein, kaufte selbst Zuchtvieh auf den
umliegenden Märkten ein, förderte den Obst- und Gartenbau, war mit Rat
und Tat im Stall zu Stelle. Und mancher Bauer holte sich beim Herrn
Beichtvater Rat und Hilfe. Aufsehen erregte er bei der erfolgreichen Bekämpfung
der Maul- und Klauenseuche des Rinderbestandes mit Hilfe von
Wasseranwendungen. International gewürdigt wurden sein
Verdienste um die Bienenzucht und die Honiggewinnung. Er verfaßte
sogar landwirtschaftliche Sachbücher mit so originellen Titeln wie: „Fritz,
der fleißige Landwirt“ Fritz,
der fleißige Futterbauer“ Fritz,
der eifrige Viehzüchter“ „Die
Kaninchenzucht“ „Bienenbüchlein“ Vernünftig
zu wirtschaften, war für die Klosterökonomie wichtig, denn ein Vertrag,
in dem sich der Staat verpflichtet hatte, die Gebäude instand zu halten,
Gärten und waren nun selbst dafür verantwortlich, daß sich der
umfangreiche Besitz wirtschaftlich trug. Dank der tatkräftigen Unterstützung
Kneipps, der auch die Schwestern für die landwirtschaftlichen Arbeiten
einsetzte, gelang dies. Jahre des AufbausKneipp
widmete sich weiteren Aufgaben: Er wirkte als Lehrer und Erzieher in der Mädchenschule
des Klosters, unterrichtete die Knaben des Ortes in Religion und Rechnen,
übernahm des Unterricht an der Mädchenschule im benachbarten Türkheim
und führte die Kinder heran an die Natur. Der Tag von Sebastian Kneipp
war mit diesen Aufgaben rundum ausgefüllt. Aber seine zweite Berufung ließ
ihm keine Ruhe: So fand er noch genügend Zeit, um bei seinen Besuchen in
den Familien der ihm anvertrauten Gemeinden bei Krankheitsfällen heilend
einzugreifen.. Die sprach sich herum und so kamen bald Heilungssuchende
aus dem Ort und der Umgebung, bald auch Amtsbrüder, die er im eigens
errichteten Badehäuschen im Klostergarten und in der Waschküche des
Pfarrhofes mit Güssen aus der Gießkanne und Teilbädern im Holzbottich
behandelte. Seine
heilerische Tätigkeit war zunächst reine Therapie akuter und chronischer
Krankheiten, basierend auf das zu seiner Zeit schon hochentwickelte, aber
noch sehr radikal gehandhabte Wasserheilverfahren und die Verwendung von
Heilkräutern. Die
Jahre zwischen 1855 und 1880, in denen er sinnend und wägend, prüfend
und tastend mit eigener Hand das Wasser, das durch ihn vielen zum letzten
Heilmittel werden sollte, handhabte, waren für ihn überaus bedeutend.
Seine Lehre von der Heilkraft des kalten Wassers (genauer: die erhitzte
Hautoberfläche an den verschiedensten Extremitäten überraschend in
einen Reizzustand versetzt, um mit dessen Hilfe die Krankheitsstoffe
auszutreiben) war zum größeren Teile schon im Altertum bekannt. Mehr
oder weniger „Wasserärzte“ hatte es zu allen Zeiten gegeben. Aber
Kneipps persönlicher Heilerfolg war für ihn Motivation die Anzahl der
bis dahin bekannten und erprobten Wasseranwendungen zu erweitern, zu
kombinieren und in ein erfolgreiches Präventiv- und Heilsystem mit immer
weiter verbesserten und verfeinerten Methoden zu bringen.
Die praktische Auswahl seiner Wasseranwendungen zur Selbstheilung
und zur Behandlung der Heilungssuchenden bezog sich zunächst auf die
Qualität „kalt“: Güsse
aus der Gießkanne, später aus dem Schlauch, Wassertreten, teil- und
Vollbäder in Wanne oder freier Natur und kalte Körperwickel. Im Laufe
der Zeit erweiterte er sein Behandlungsprogramm: warme Teil- und Vollbäder,
angereichert mit Absud aus Heublume, Tannenreiser u.a., warme Wickel und
Auflagen und verschiedene Körperdämpfe ergänzten sein
Behandlungsrepertoire. Dabei ist bemerkensweert, daß seine
unterschiedlich verabreichten Güsse (Arm-, Knie-, Schenkel-, Rücken- und
Vollgüsse) wie die Vielzahl weiterer Anwendungen das Fazit sind einer mit
schärfster Beobachtungsgabe an Zehntausenden von Patienten vollzogenen
Behandlung. Der
Ruf des heilenden Pfarrers verbreitete sich immer schneller, und oft waren
es die Ärmsten der Armen, die ihn Hilfe suchend konsultieren. 1860 und
1866 mußte Kneipp wegen angeblicher Kurpfuscherei vor Gericht erscheinen.
Kneipp verteidigte sich mit den Argumenten, daß er bei seinen Anwendungen
lediglich Wasser und Kräuter verwende und auf andere medizinische Mittel
verzichte. Seine starke Persönlichkeit, seine Überzeugungskraft und
seine Heilerfolge ließen die Richter von einer Strafverfolgung absehen. Wirken als SeelsorgerIm
April 1881 stand eine weitere Herausforderung für Kneipp an: der damals
knapp 60-jährige, der bereits seit mehr als 25 Jahren segensreich in Wörishofen
wirke und bei den Einheimischen, besonders bei den Kindern, ob seiner
gleichermaßen gütigen wie strengen Art, große Anerkennung erlangt
hatte, wurde zum Stadtpfarrer berufen - was noch mehr Aufgaben und Arbeit
für ihn bedeutete. So war ein 15 bis 16 Stundentag für ihn nicht außergewöhnlich. Im
Jahre 1886 erschien nach nur acht Wochen Arbeit sein erstes Buch „Meine
Wasserkur“, das bereits seine Kräuterheilkunde und ein Kapitel über
„Kraftnährmittel“ enthielt. Dieses Erfolgswerk verstärkte den
Zustrom Heilungssuchender noch mehr. So galt es 150 und mehr Kurgäste täglich
in seiner Sprechstunde zu betreuen; eine gewaltige, zusätzliche Leistung.
Kneipp selbst stellt keine Diagnosen, sondern meist der leitende Badearzt.
Alles spielte sich in der Öffentlichkeit ab, es gab keine Heimlichkeiten;
bis zu zehn Ärzte beobachteten diese Sprechstunden. Unter den
Heilungssuchenden waren „hohe und höchste Herrschaften“, wie Kneipp
selbst schrieb. An diesen Menschen, die schon damals bequem und luxuriös
lebten, konnte er all jene
Fehlhaltungen beobachten, die heute als Risikofaktoren unserer
Gesellschaft bekannt sind: Verweichlichung und damit Anfälligkeit,
Bewegungsmangel, Fehl- und Überernährung, Genußmittelmißbrauch,
geistig-seelische Konflikte. Deshalb schieb Kneipp 1889 ein weiteres Buch
mit dem Titel „So sollt Ihr leben , das seine gesundheitserzieherischen
Grundsätze enthielt. Es folgten weiter Bücher wie „Ratgeber für
Gesunde und Kranke“ (1891) und „Mein Testament“ (1894).
Kneipp
bezeichnete die hier genannten ersten drei Bücher, deren Inhalte, wie
bereits erwähnt, größtenteils auf seinen Beobachtungen beruhten, als
die Quintessenz seiner Gesundheitslehre: „Mehr aufgedrungen als mit
Vorliebe zum Schreiben habe ich seit vier Jahren drei Bücher in die Welt
geschickt, um meine Erfahrungen der Menschheit mitzuteilen. Handelt das
erste Buch „Meine Wasserkur“ davon, wie man den menschlichen Körper,
wenn er krank ist, gesund machen könne, und wie mit gesundem Körper auch
das Leben ein anderes wird, so habe ich im zweiten Buch „So sollt Ihr
leben“ Anleitung gegeben, wie man in Wirklichkeit leben soll, damit man
gesund bleibt und lange leben kann, und dass der menschliche Geist mit dem
Körper zusammenwirkt und beide unempfindlich bleiben gegenüber allen
Strapazen und Mühseligkeiten. Und dann habe ich noch ein drittes
kleineres Buch geschrieben „Ratgeber für Gesunde Kranke“: für
Kranke, daß sie gesund werden und für gesunde, daß sie nicht mehr krank
werden.“ Mit
Hilfe der Einnahmen aus Tantiemen dieser Werke, die immer neue
Rekordauflagen erreichten, weiteren Honorare, Spenden und Unterstützungen,
baute Kneipp seine drei Stiftungen, das Priesterhaus
„Sebastianeum“(1891), das „Kinderasyl“ (1893) und das
„Kneippianum“ (1896), gedacht für Lupuskranke. Mit diesen drei
Stiftungen hat sich Kneipp selbst bleibende Denkmäler gesetzt, die
seitdem in seinem Geiste wirken und kranken Menschen helfen. Er hatte
damit aber auch seine Geldmittel völlig ausgeschöpft und dafür
insgesamt mehr als 800.000 Gulden aufgewandt. Schicksalhafte BegegnungenAuf
zahlreichen Reisen im In- und Ausland war der schwäbische Pfarrer ein
gern gesehener und gehörter Redner; überall wo er auftrat kam es zu
regelrechten Menschenaufläufen. Ob in Graz oder Wien, Prag, Budapest,
Breslau, Paris, Köln, Berlin, Bozen und Meran oder vielen weiteren europäischen
Metropolen – überall strömten die Leute zu seinen viel beachteten
Ansprachen. Mehr
als 1 Million Zuhörer sollen es gewesen sein, die er in den drei Jahren
seiner Vortragsreisen erreicht hat. Durch seinen Erfolg bei der Heilung
des Ischiasleidens von Erzherzog Johann von Österreich-Ungarn wurde der
europäische Hochadel auf Kneipp und Wörishofen aufmerksam. Im
Jahre 1893 ernannte Papst Leo XIII. Kneipp zum päpstlichen Geheimkämmerer,
damit verbunden war der Titel „Monsignore“. Kneipp bedeutete diese
Ernennung sehr viel, kam damit doch die Anerkennung seines Wirkens durch
den Papst zum Ausdruck. Kneipps Vermächtnis
Pfarrer
Kneipp traf umfassende Vorkehrungen, um seine Lehre rein zu halten und vor
Spekulanten zu schützen. Er war sich im klaren darüber, daß seine
Appelle zu vernünftiger Lebensführung und naturgemäßem Heilen dann
wirken würden, wenn damit nicht nur eine Ansprache des Menschen erfolgt,
sondern dieser gleichzeitig animiert und motiviert wird. Dies schien am
ehesten im Zusammenschluß Gleichgesinnter erreichbar. 1890 erfolgt
deshalb die Gründung des ersten (Central-)Kneipp-Vereins in Wörishofen,
mit o.g. Ziel, aber auch, den Kneipp-Gedanken dank der Unterstützung
durch den Verein und entsprechender Publikationen, noch mehr und vor allem
unsentimental und nicht verklärt verbreiten zu wollen. „Ich will, daß
meine Lehre allen Menschen zuteil werde“ war seine Verpflichtung der
Menschheit gegenüber und gleichzeitig eine riesengroße Aufgabe. Die
Entwicklung hat Kneipp bestätigt. Trotz der an Wirrnissen reichen Zeit,
breitete sich sein Erbe gewaltig aus, war der Aufstieg der Kneipp-Bewegung
unaufhaltsam und ist es bis zum heutigen Tage. Der „Kneippianer“ ist
zu einem Begriff geworden ebenso die Einrichtungen Orte, Institute und die
gesundheitsfördernden Maßnahmen. Dies alles war nur möglich, weil
Kneipp sein Wissen und Können nicht mit ins Grab genommen hat, sondern
rechtzeitig für dessen Übernahme und Verbreitung sorgte. Was
in aber in den letzten Jahren störte war die Geschäftemacherei mit
seinem Namen. Er ließ deshalb eine Erklärung veröffentlichen, in der er
sich von den Machenschaften vieler Fabrikanten distanzierte. Gleichzeitig
fand Kneipp1893 in dem Würzburger Apotheker Leonhard Oberhäußer einen
geeigneten Partner zur Verbreitung seiner Heilmittel. Er überließ nämlich
die Verarbeitung der Heilpflanzen der Professionalität des Apothekers und
industrieller Fertigungsbetriebe. Kneipp formulierte des Text der
Vereinbarung zur Zusammenarbeit folgendermaßen: „Die Apotheker L. Oberhäußer
und R. Landauer in Würzburg sind allein und für immer berechtigt, alle
Kneippschen Heilmittel und Spezialitäten im In- und Ausland zum Zeichen
der Echtheit und Güte mit dem Bilde und Namenszug des Herrn Pfarrers
Sebastian Kneipp zu versehen. Es sind daher die einzigen Heilmittel,
welche Pfarrer Kneipp prüft und empfiehlt.“ Aus dieser Kooperation
heraus entstanden die KNEIPP® Heilmittelwerke, ein
pharmazeutischer Hersteller von pflanzlichen Arzneimitteln, Nahrungsergänzungsmitteln,
diätetischen Lebensmitteln und Körperpflegemitteln, der heute nicht nur
die reine Herstellung und den weltweiten Vertrieb der bekannten KNEIPP®
Produkte verfolgt, sondern sich auch intensiv um den Schutz der Marke kümmert
und zur Verbreitung der Inhalte des Kneipp`schen Naturheilverfahrens
entscheidend mit beiträgt. Im
Jahre 1894 erfolgte die Gründung des „Internationalen Vereins der Ärzte
Kneipp`scher Richtung..“ Sebastian Kneipp war sich von Anfang an bewußt,
daß sein Werk nur bestand haben würde, wenn es von „Leuten vom
Fach“, sprich von den Ärzten, übernommen und weiterentwickelt wird.
Als medizinischer Laie war er sich seiner Grenzen wohl bewußt – und
dies unterscheidet ihn von vielen seiner Vorgänger, Zeitgenossen und
Nachfolger – sicherte ihm auch sein Werk bis zum heutigen Tage. Heute
ist es der Kneippärztebund e.V. als Nachfolgeorganisation, der seine
Aufgabe darin sieht, die
Kneipp`sche Ganzheitstherapie wissenschaftlich zu erforschen,
weiterzuentwickeln und als Bestandteil einer zukunftsorientierten
integrativen Medizin zu lehren und im In- und Ausland zu etablieren. Aus
innerer Überzeugung forderte Kneipp auch die Weiterentwicklung seiner
Methoden. Sein Vermächtnis erfüllte sich mehr und mehr. Seine fünfsäulige,
ganzheitliche Naturheiltherapie wird ständig weiter erforscht,
differenziert, verfeinert und ergänzt, Millionen Menschen wurde damit
geholfen, unzählige Anhänger schwören darauf. Heute ist daraus die
weltweit größte Gesundheitsbewegung mit mehr als 200.000 Mitgliedern
geworden, in der – ganz im Sinne Sebastian Kneipps – nicht die
kommerziellen Interessen im Vordergrund stehen, sondern die Gesundheit des
Menschen absolute Priorität genießt. Das Werk ist vollendetAls Pfarrer Sebastian Kneipp am 17. Juni 1897 stirbt war sein Vermächtnis an die Nachwelt sein großartiges Lebenswerk. Erst viele Jahre später konnte ermessen werden, was dieser außergewöhnliche Mensch geschaffen und welchen bedeutenden Beitrag er geleistet hat. Zum einen war das Ergebnis seines lebenslangen Studiums der Heilpflanzen und ihrer Wirkung ein System von Indikationen von über 80 Pflanzen, die fest in die sogenannten Monographien der Kommission E, einer Beraterkommission der Bundesamtes für Arzneimittel und Medizinprodukte, eingingen. Diese Monographien definieren die Indikationen von ca. 300 Heilpflanzen, wie sie für die Zulassungsprozeduren für pflanzliche Arzneimittel als Stand der Kunst anerkannt sind. Auf diese Art und Weise beeinflußte Sebastian Kneipp die Entwicklung der wissenschaftlichen Phytotherapie bis in die Neuzeit. Die Monographien der Kommission E beeinflußten maßgeblich die Europäische Regelungen für die Zulassung von Heilpflanzen als Arzneimittel und sind heute in den USA bekannt als Inbegriff des hohen Wissensstandes deutscher Phytokompetenz, der man in aller Welt mit Achtung begegnet. Zum anderen hinterließ er ein schlüssiges ganzheitlich orientiertes Therapiekonzept „Medizin“, das für alle Altersgruppen anwendbar ist, in besonderem Maße in der Gesundheitsvorsorge, aber ebenso in der Behandlung akuter und Nachbehandlung chronischer Krankheiten. Wobei zu erwähnen gilt, daß diese Gesundheitslehre nicht eine Erfindung des schwäbischen Pfarrers ist, sondern sich vielmehr auf Jahrtausende alte Traditionen der menschlichen Heilkunst stützt. Seine Gesundheit auf 5 Säulen
dern von dem Kneipp-Arzt Dr. J. H. Kaiser-
umfaßt folgende Wirkprinzipien:
1.
warmes und kaltes Wasser 2.
mild wirkende Heilpflanzen 3.
ausreichende Bewegung 4.
ausgewogene Ernährung 5.
innere und äußere Lebensordnung Es
darf zu Recht als hochaktuelles, effizientes und dem Standard und
Nachfrageverhalten konformes Heilverfahren angesehen werden, was durch
zahlreiche wissenschaftliche Studien immer wieder bestätigt wird. Die
aktive, individuell dosierbare Reizbehandlung zielt darauf ab, durch die
Anregung der Selbstheilungskräfte des Körpers, eine Stärkung der
Widerstandsfähigkeit und des inneren Gleichgewichtes zu erreichen.
Letztlich also Körper, Geist und Seele miteinander in Einklang zu
bringen. Wie
stellen sich diese 5 Wirkprinzipien dar und wie lassen sie sich
realisieren? Gerade die Kneipptherapie und die darin enthaltenen
Anwendungen und Hinweise zu einer gesunden Lebensweise lassen sich
hervorragend und ohne große infrastrukturellen und finanziellen
Aufwendungen in die Praxis umsetzen. Wasser(Hydrotherapie) „Ich
glaube , daß ich kein Heilmittel anführen kann, das
sicherer heilt als das Wasser. Aber
ich warne euch vor zu vielen Wasseranwendungen. Die Natur soll man nicht überladen!“ Sebastian Kneipp Im
Rahmen der hochentwickelten Hydrotherapie, die individuell abstufbar ist
und sich der Konstitution und Disposition eines jeden Menschen anpassen läßt,
dient das Wasser als Träger thermischer, mechanischer und chemischer
Reize. Hierdurch werden im Körper Reaktionen im Bereich der Blutgefäße,
des Stoff- wechsels und der Muskulatur bewirkt, was insgesamt in der Folge
über Adaptionsvorgänge zu einer positiven Regulation führt. Wirkungen
sind verbesserte Durchblutung, Entschlackung, allgemeine Entspannung und
Abhärtung. Zu
dieser Anwendungsform, von der es inzwischen über 120 verschiedene
Variationen gibt, gehören Güsse, Waschungen, Bäder, Wickel und
Packungen. Pflanzen(Phytotherapie) „Jahrelang habe ich mehr mit Kräutern als mit Wasser kuriert und
dabei die schönsten Erfolge erzielt.“
Sebastian
Kneipp Durch
die Behandlung mit (Heil-)Pflanzen, Pflanzenteilen und deren Zubereitung
(z.B. in Tees, Pflanzensäfte, Tabletten, Dragees, Salben, Gel, Badezusätzen)
lassen sich große therapeutische Effekte erzielen. Phytopharmaka zeichnen
sich durch milde Wirkung aus, sind weitgehend frei von schwerwiegenden
Nebenwirkungen und eignen sich deshalb besonders auch zum längerfristigen
Einsatz. Die
Therapie mit Heilkräutern basiert auf jahrhundertealten Erfahrungen. Sie
wird permanent den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen angepaßt.
Diese Therapie ist nicht
Alternative, sondern Teil der heutigen naturwissenschaftlich orientierten
Medizin. Bewegung(Kinesotherapie) „Wenn
eine Maschine lange der Witterung ausgesetzt ist und nicht verwendet
wird, so wird sie bald ihre Dienste versagen; sie wird zuletzt gebrechlich
werden und zerfallen, ohne daß man sie gebrauchen kann. Geradeso
geht es dem menschlichen Körper.“
Sebastian
Kneipp Bewegung
beinhaltet das Wechselspiel zwischen Belasten und Ausruhen. Sie ist
therapeutisch geplant und kann aktiv oder auch passiv sein. Sie soll dem
krankmachenden Bewegungsmangel entgegenwirken, funktionelle Bewegungsstörungen
behandeln helfen und das Herz-Kreislauf-System trainieren. Außerdem begünstigt
jegliche Form der Bewegung die geistige Leistungsfähigkeit, fördert die
seelische Entspannung und stärkt das Immunsystem. Zu
den individuell abgestimmten Maßnahmen gehören u.a. Krankengymnastik,
die allgemeine Gymnastik, Rückenschule, der abgestimmte Einsatz von Sport
im Sinne eines medizinischen Aufbautrainings, aktive Leistungen wie
Wandern, Radfahren und Schwimmen, aber auch Bewegungsbäder und passive
Formen wie Massagen. Ernährung(Ernährungstherapie) „Der
Weg zur Gesundheit führt durch die Küche ... Was
nun die Kost betrifft, so soll eine Solche gewählt werden, welche
gesund, nahrhaft und leicht verdaulich ist.“
Sebastian Kneipp Die
Ernährung ist richtig und ausgewogen, wenn sie den Kalorienbedarf deckt
und alle notwendigen Nährstoffe in der ausreichenden Menge und dem
richtigen Verhältnis enthält. Sie berücksichtigt individuelle
Stoffwechselleistungen und den Kalorienbedarf und stellt die Grundlage für
spezielle Diätformen dar. Für eine ausgewogene Ernährung eignet sich am
besten eine hochwertige, möglichst naturbelassene Vollwert- oder
Basiskost. Da
viele Zivilisationskrankheiten auch durch Fehlernährung mit bedingt sind,
können durch Änderung des Eßverhaltens und dem sinnvollen Umgang mit
Genußmitteln ernährungsbedingte Krankheiten vermieden oder deren Verlauf
günstig beeinflußt werden. Lebensordnung(Ordnungstherapie) „Erst
als ich daran ging, Ordnung in die Seelen meiner Patienten zu
bringen, hatte ich vollen Erfolg."
Sebastian Kneipp Die
äußere und innere Lebensordnung sind Kernstück und Klammer der
Kneippschen Ganzheitstherapie. Das Vermeiden von Risikofaktoren, Genußgiften
und Reizüberflutung ist ebenso bedeutsam wie das Wiedererlangen des
seelischen Gleichgewichtes. Denn viele Krankheiten haben hier ihren
Ursprung. Aktive, ausgewogene und natürliche Lebensgestaltung führt
nicht nur zu körperlichem Wohlbefinden, sondern auch zu mehr Lebensfreude
und Aufnahmefähigkeit für die wesentlichen Dinge im Leben. Dabei steht
die Einheit von Körper, Geist und Seele im Einklang mit dem sozialen und
ökologischen Umfeld. Im
Rahmen einer Kneipptherapie erfolgt
die Umsetzung durch Orts- und Milieuwechsel, (therapeutische) Gespräche,
Entspannungstherapien, Meditation, Kurseelsorge, Teilnahme an kulturellen
Veranstaltungen, Kontakten mit anderen (Kur-)Gästen u.a. AusblickWas bedeutet uns die Kneipp`sche Lehre heute? Kneipp drückte dies im Vorwort seines Buche „So sollt ihr leben“ aus: „Gesundbleiben und lange leben will jedermann, aber die wenigsten tun etwas dafür. Kaum ein Umstand kann schädlicher für die Gesundheit wirken als die Lebensweise unserer Tage: ein fieberhaftes Hasten und Drängen aller im Kampfe um Erwerb und sichere Existenz. Es ist kein Wunder, wenn Krankheiten so viele Opfer fordern, denn die Menschheit ist weit von der früheren, natürlichen Lebensweise abgewichen“. Er fügte aber sofort dazu: „ Nicht etwa, daß die Errungenschaften unserer Zeit wieder geopfert werden müßten, aber es muß ein Ausgleich gefunden werden, um die überanstrengten Nerven zu stärken, ihre Kraft zu erhalten, es muß das Gleichgewicht hergestellt werden zwischen der Arbeit und Lebensweise und dem Verbrauch an Nervenkraft .... Doch soll der Mensch nicht bloß zu seinem Herrgott flehen um Gesundheit und langes Leben, sondern er soll auch seinen Geist gebrauchen ... Auch hier gilt das Sprichwort: Hilf dir selbst, dann hilft dir Gott!“ Dieses
Zitat, vor mehr als 100 Jahren geschrieben, ist heute aktueller denn
je und hat nichts von seiner Botschaft eingebüßt. Gerade heute
kann das ganzheitliche Naturheilverfahren von Sebastian Kneipp – in
Kooperation von Schulmedizin und auch neueren Naturheilverfahren –
entscheidend mit beitragen, die Krise in unserem Gesundheitswesen
zu überwinden. Er fordert auf zur Eigenverantwortlichkeit für den
Erhalt der Gesundheit und der Leistungsfähigkeit, zur Selbsthilfe bei
geringfügigen Befindlichkeitsstörungen und zur ersten Hilfe bis zum
Eintreffen des Arztes in ernsten Fällen. Diese ganzheitlichen
Gesundheitslehre ist nicht nur eine Therapie für kranke Menschen. Sie ist
in gleichem Maße eine Lebensordnung für Gesunde aller Altersgruppen und
gesellschaftlicher Kreise, die nach Möglichkeit Krankheiten verhindern
oder wenigstens zurückdrängen soll. Damit kommt dieser Gesundheitslehre
– besonders in ihrer medizinischen Weiterentwicklung - eine eminente
Aktualität im Sinne einer präventiven Medizin zu. Nie
wollte Kneipp sein Heilverfahren glorifiziert wissen und als Allheilmittel
hingestellt sehen. Eine gründliche Befassung damit lohnt sich aber, für
den Nutzer und das System. Sebastian Kneipp trat ein für Ausgewogenheit
von Arbeit und Muße, Anspannung und Entspannung, Bewegung und Ruhe, von
Genuß und Askese. Seine Ordnungsvorstellungen waren menschlich; er war
kein Fanatiker, aber er forderte und ist damit zeitgemäß: „Die
Erhaltung unserer Gesundheit ist für uns eine große Pflicht.“ „Sebastian Kneipp war und ist der Wegbereiter einer kommenden Medizin, Leitbild für eine gesundheitsbewußter lebende Gesellschaft. Kneipp war ein hellsichtiger Mann, ich verneige mich vor seinem Genius und Ethos.
Prof.
Dr. Schaefer, Heidelberg Vergessen werden darf aber nie, daß diese Therapie aus der Hand eines einfaches Mannes ausging, der Mystiker und Realist, Menschenfreund und Eremit, Manager und Priester in einem war und nur ein Ziel hatte: er wollte
wirken, bessern, heilen.
© by Dieter Wohlschlegel, 08.2002 Literaturliste
Bungert, L.G. (Manuskript, o.J.): Sebastian Kneipp:
„So sollt ihr leben!“ vom Wollen, Werden und Wirken des Priesterarztes –
Eine Rundfunk- Sendung. – ohne Ort Burghardt, L. (1979): Sebastian Kneipp – Helfer der
Menschheit. – Bad Wörishofen Burghardt, L. (1983): Bad Wörishofen – Ein
Bauerndorf wird Weltbad. – Bad Wörishofen Burghardt, L. (1987): Sebastian Kneipp einmal derb – einmal heiter. –Bad Wörishofen Fehrenbach, Dr. Mathäus (2002): Kneipp und Thermal müssen
sich nicht gegenseitig ausschließen. -Beitrag in: Bad Wörishofer Gäste
Zeitung, Ausgabe August 2002 Ganzer, Prof. Dr. Klaus (2002): Die Gesundheitslehre Sebastian Kneipps und ihre soziale Bedeutung. – Bad WörishofenReile, M.B. (1990): Erinnerungen an Kneipp. – 2. Auflage, München.Riedel, G. (1985): ... meinte Sebastian Kneipp. – Bad Wörishofen Sebastian KneippGesundheitsmittel-Verlag GmbH
(Hrsg./1997): Wegweiser zu den KNEIPP® Mitteln. – 3. Auflage, Würzburg Stadt und Kurdirektion Bad Wörishofen (Hrsg/1997.): Sebastian Kneipp1821 –1897. – Bad WörishofenStamm-Kneippverein e.V. Bad Wörishofen (Hrsg/1979.):
Aus meinem Leben – Selbstbiographie. – 3. Auflage, Bad Wörishofen Stamm-Kneippverein e.V. Bad Wörishofen (Hrsg./1983):
KNEIPP = Gesundheit aus erster Hand. – Bad Wörishofen Dr.
Ullmann, M. (Hrsg./1988): Orginal: KNEIPP TEXTE. – Bad Wörishofen
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Hermann Seidenspinner 01.12.2011