Wirken als Seelsorger...


Im April 1881 stand eine weitere Herausforderung für Kneipp an: der damals knapp 60-jährige, der bereits seit mehr als 25 Jahren segensreich in Wörishofen wirke und bei den Einheimischen, besonders bei den Kindern, ob seiner gleichermaßen gütigen wie strengen Art, große Anerkennung erlangt hatte, wurde zum Stadtpfarrer berufen - was noch mehr Aufgaben und Arbeit für ihn bedeutete. So war ein 15 bis 16 Stundentag für ihn nicht außergewöhnlich.

 

Im Jahre 1886 erschien nach nur acht Wochen Arbeit sein erstes Buch „Meine Wasserkur“, das bereits seine Kräuterheilkunde und ein Kapitel über „Kraftnährmittel“ enthielt. Dieses Erfolgswerk verstärkte den Zustrom Heilungssuchender noch mehr. So galt es 150 und mehr Kurgäste täglich in seiner Sprechstunde zu betreuen; eine gewaltige, zusätzliche Leistung. Kneipp selbst stellt keine Diagnosen, sondern meist der leitende Badearzt. Alles spielte sich in der Öffentlichkeit ab, es gab keine Heimlichkeiten; bis zu zehn Ärzte beobachteten diese Sprechstunden. Unter den Heilungssuchenden waren „hohe und höchste Herrschaften“, wie Kneipp selbst schrieb. An diesen Menschen, die schon damals bequem und luxuriös lebten, konnte er all jene Fehlhaltungen beobachten, die heute als Risikofaktoren unserer Gesellschaft bekannt sind: Verweichlichung und damit Anfälligkeit, Bewegungsmangel, Fehl- und Überernährung, Genußmittelmißbrauch, geistig-seelische Konflikte. Deshalb schieb Kneipp 1889 ein weiteres Buch mit dem Titel „So sollt Ihr leben , das seine gesundheitserzieherischen Grundsätze enthielt. Es folgten weiter Bücher wie „Ratgeber für Gesunde und Kranke“ (1891) und „Mein Testament“ (1894).

 

Kneipp bezeichnete die hier genannten ersten drei Bücher, deren Inhalte, wie bereits erwähnt, größtenteils auf seinen Beobachtungen beruhten, als die Quintessenz seiner Gesundheitslehre: „Mehr aufgedrungen als mit Vorliebe zum Schreiben habe ich seit vier Jahren drei Bücher in die Welt geschickt, um meine Erfahrungen der Menschheit mitzuteilen. Handelt das erste Buch „Meine Wasserkur“ davon, wie man den menschlichen Körper, wenn er krank ist, gesund machen könne, und wie mit gesundem Körper auch das Leben ein anderes wird, so habe ich im zweiten Buch „So sollt Ihr leben“ Anleitung gegeben, wie man in Wirklichkeit leben soll, damit man gesund bleibt und lange leben kann, und dass der menschliche Geist mit dem Körper zusammenwirkt und beide unempfindlich bleiben gegenüber allen Strapazen und Mühseligkeiten. Und dann habe ich noch ein drittes kleineres Buch geschrieben „Ratgeber für Gesunde Kranke“: für Kranke, daß sie gesund werden und für gesunde, daß sie nicht mehr krank werden.“

 

 Mit Hilfe der Einnahmen aus Tantiemen dieser Werke, die immer neue Rekordauflagen erreichten, weiteren Honorare, Spenden und Unterstützungen, baute Kneipp seine drei Stiftungen, das Priesterhaus „Sebastianeum“(1891), das „Kinderasyl“ (1893) und das „Kneippianum“ (1896), gedacht für Lupuskranke. Mit diesen drei Stiftungen hat sich Kneipp selbst bleibende Denkmäler gesetzt, die seitdem in seinem Geiste wirken und kranken Menschen helfen. Er hatte damit aber auch seine Geldmittel völlig ausgeschöpft und dafür insgesamt mehr als 800.000 Gulden aufgewandt.

 

 Schicksalhafte Begegnungen